Praktikantenblog

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Auf dieser Seite stellen Praktikanten und Referendare ihre Arbeit, besondere Erlebnisse und Erfahrungen bei der Ständigen Vertretung an Hand einiger Beispiele vor. Der Blog wird in loser Folge aktualisiert.

Februar 2013

Weltpolitik hautnah - Marie Weber, Rechtsreferendarin in der Politikabteilung

Am letzten Dienstag fand im Sicherheitsrat eine offene Debatte zum Thema „Schutz von Zivilisten in bewaffneten Konflikten“ statt.

Ich war live dabei, als UN-Generalsekretär Ban-ki-Moon, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Navanathem Pillay und viele weitere Redner die Weltgemeinschaft eindringlich dazu aufriefen, endlich auf die Situation in Syrien zu reagieren. Navanathem Pillay verurteilte das Regime Addad scharf und sprach von inzwischen fast 70.000 Toten. Die internationale Gemeinschaft müsse mit eine Stimme antworten. Jeder Staat müsse sich daran messen lassen, wie er auf die furchtbaren Leiden der Bevölkerung in Syrien reagiert habe.

Im Sicherheitsrat zu sitzen, Ban-ki-Moon einmal live zu erleben. Das ist toll. Um 22 Uhr abends nach einem 14 Stunden Arbeitstag und 72 weiteren Reden totmüde den Sicherheitsrat zu verlassen, das ist die andere Seite der Medaille. Eindrucksvoll, aber teilweise auch anstrengend ist ein Tag an der Ständigen Vertretung. An diesem Abend bin ich müde, aber sehr glücklich eingeschlafen. Und keine Angst – man arbeitet nicht jeden Tag 14 Stunden. Am nächsten Tag durfte ich früher gehen !

20. Februar 2013

Das Jahr der Quinoa - Martin Hiebsch – Praktikum in der Wirtschaftsabteilung

10:00 -13:00 Uhr, Generalversammlung

Nachdem ich meinen Aufenthalt bei den VN in den Wochen zuvor vor allem in Besprechungen entwicklungspolitischer Organisationen wie dem United Nations Development Programme (UNDP) verbracht hatte, kam eines Tages ein Kollege auf mich zu und erkundigte sich nach meiner Verfügbarkeit um an einer Sitzung der Generalversammlung teilzunehmen. Natürlich sagte ich sofort zu und fand mich am nächsten Tag hinter dem „Germany“-Schild in der vollen Generalversammlung wieder.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, hatte anlässlich der feierlichen Eröffnung des „Jahres der Quinoa“ geladen und informierte die Staatsgäste und Delegierten über die, seiner Meinung nach, weltverändernde Wirkung der Pflanze. Im Anschluss sprach der bolivianische Präsident, Evo Morales, über die Vorzüge des Reis ähnlichen Gewächses aus der Anden-Region, welches aufgrund seiner spezifischen Vorteile helfen könne, den Hunger auf der Welt zu bekämpfen. Nicht nur, dass ich meine Wissenslücke hinsichtlich der möglichen Bedeutung von Quinoa für eines der wichtigsten Ziele der VN – nämlich der Bekämpfung des weltweiten Hungers – schließen konnte, ich hatte auch die Möglichkeit wichtige Persönlichkeiten der Weltpolitik hautnah zu erleben.

Februar 2013

Mine-free World - Wie ich Sprengstoffhund Sam kennen gelernt habe - von David S.

Während meiner Wahlstation bei der Ständigen Vertretung habe ich mich intensiv um eine Ausstellung des Auswärtigen Amts mit UNMAS (United Nations Mine Action Service) und NGOs zu 20 Jahren Antilandminenkampagne gekümmert. Die Ausstellung war schon längst aufgebaut, als das letzte Exponat – künstlerisch verfremdete, aber doch echte entschärfte Landminen – wegen eines Wintersturms verspätet eintraf. Meine Aufgabe war es, ohne vorherige Anmeldung diese entschärften Landminen in die UN General Assembly Lobby Hall zu bringen.

Größeres Aufsehen erregte zunächst nur der dazugehörige Koffer, in dem die Minen ausgestellt werden sollten. Der UN-Sicherheitsmann – französicher ehemaliger Soldat der Deutsch-Französischen Brigade und daher friedensmissionserprobt – teilte mir nur mit, dass ich den Koffer durchleuchten lassen müsste. Als ich beiläufig erwähnte, dass ich in der Tüte in der anderen Hand Landminen bringe, blickte er ungläubig zurück. Auf meinen Hinweis, dass ich das durchaus ernst meine, schaute er sich die Tüte näher an. Dort fand er die Landminen, die er aufgrund seiner Erfahrung sofort zuordnen konnte. Er gab seine Entdeckung per Funk weiter, sodass ich plötzlich von  einigen Sicherheitskräften umkreist war! Weil ich der erste sei, der Minen in die UN bringe, müsse er das weitergeben. Ich dürfe mich der Tüte nicht mehr nähern. Auf mein Beharren, dass es sich nur um ein Ausstellungsstück handele, wurde Sprengstoffhund Sam gerufen. Sam kam, umkreiste und roch – fand aber nichts. Nach Zustimmung der Hundeführerin durfte ich dann unter einigem Schmunzeln der  Sicherheitskräfte Minen in die UN bringen.

Drinnen war ich mit dem Abteilungsleiter für Öffentlichkeitsarbeit von UNMAS verabredet. Er kam fünf Minuten nach mir durch die Eingangstür – mit Minen... Der UN-Sicherheitsmann war völlig perplex! An einem Tag kamen nicht nur zum ersten Mal, sondern innerhalb von fünf Minuten zwei verschiedene Leute mit Minen in die UN.

7. Februar 2013 

Empfang „50 Jahre Élysée-Vertrag“ - Emanuel Weidner, Rechtsreferendar in der Wirtschaftsabteilung

Nach den ersten Tagen in der Ständigen Vertretung wusste ich bereits, dass mich spannende, aktuelle sowie zumeist neue Arbeitsthemen erwarten.

Zur Mitarbeit in einer multilateralen ebenso wie einer bilateralen Vertretung gehört auch die tatkräftige Unterstützung bei Repräsentationsveranstaltungen. Diese Empfänge oder Konzerte geben einem die Möglichkeit, interessante Persönlichkeiten zu sehen oder sich einmal mit Botschaftern, Generalkonsuln und/oder weiteren Vertretern der Länder zu unterhalten.

Der Empfang nebst Ausstellung zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Élysée-Vertrags ist hierbei sicherlich als die bisher interessanteste Veranstaltung zu benennen. Sie war insbesondere durch die freundschaftliche Atmosphäre, die ihre Betonung in den Ansprachen der Generalkonsuln von Frankreich und Deutschland fand, geprägt.

  Zwar sind – um an diesem Beispiel zu verweilen – Europa, Frankreich und Deutschland tausende Kilometer entfernt, aber im Rahmen der alltäglichen UN-Arbeit und solcher Veranstaltungen wird einem bewusst, wie klein die Welt ist. Da die deutsch-französische Freundschaft ein wichtiger Bestandteil deutscher Politik ist, habe ich mich sehr über die Gelegenheit gefreut, an so einer symbolträchtigen Feier im German House teilnehmen zu können.

23. Januar 2013

Haie im German House!?  Kristina Wottrich – Pressepraktikantin

Heute stand ein umweltpolitisches Side- Event auf meinem Tagesprogramm. Entsandte und Experten aus diversen Nationen diskutierten – und plädierten dafür –, dass bei der anstehenden 16. CoP (Conference of the Parties) besondere Haiarten ins Washingtoner Artenschutzabkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) aufgenommen werden sollten. Das CITES ist sowohl ein Abkommen als auch eine international agierende Organisation, die sich dafür einsetzt, dass der internationale Handel mit Wildtieren und Pflanzen eingeschränkt und kontrolliert wird. Damit soll das Überleben aller Tier- und Pflanzenarten in freier Wildbahn gesichert werden.

Da die deutsche Ständige Vertretung einer der drei Hauptausrichter dieses Vorbereitungstreffens war, fand diese Veranstaltung im „German House“ statt.

Um dieses Event zu dokumentieren habe ich zahlreiche Fotos geschossen und war daher bei interessanten Präsentationen und Diskussionen live dabei. Es war sehr spannend, einen direkten Einblick in eine derartige multilaterale Vorbesprechung zu erhalten. Vorher hätte ich nicht damit gerechnet, dass es so viele interessante Dinge über Haie zu lernen gibt, wie zum Beispiel, dass es bei der Haifischjagd um mehr geht als nur Profit, sondern z.B. auch um kulturelle und gesellschaftliche Werte und Traditionen.

Das ist stets der Vorteil wenn man derartige Events mit der Kamera einfängt: Man erlebt wie ‚große, internationale Politik’ abläuft und nebenbei wird der persönlichen Horizont zu ganz besonderen, spezifischen Themen erweitert – Themen, bei denen ich mir vorher nicht einmal bewusst war, dass sie spannend sein können. Gleichzeitig noch vor der Herausforderung zu stehen möglichst gute Fotos zu machen ist eines der Dinge, die das Pressepraktikum abwechslungsreich machen!

Dezember 2012

Zwischen New York und Afrika 

Seitdem ich mein Praktikum an der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen in New York begonnen habe, sind schon wieder ganze 2 1/2 Monate vergangen. Manchmal kommt es mir so vor, als hätten sich die beiden Zeiger auf meiner Uhr dem Lebensrythmus der niemals schlafenden Stadt angepasst. Dementsprechend viel Energie nimmt einem die Stadt New York und vor allem zu Beginn ist man ganz schön überwältigt von den vielen neuen Eindrücken - aber sie gibt einem auch genauso viel Energie zurück und man erkennt sehr bald, an was für einem einzigartigen Ort auf diesem Planeten man sich gerade befindet.

Mit dem Praktikum hier ist es in etwa das Gleiche. Alles ist aufregend, interessant und jeden Tag neu und dementsprechend von Zeit zu Zeit auch anstrengend. Bereits in den ersten paar Tagen hatte ich die Gelegenheit, ein paar Worte mit dem Außenminister zu wechseln, Kofi Annan über den Weg zu laufen, einige Minister aus anderen Ländern zu treffen und Diplomaten aus aller Welt kennenzulernen. Nach der Vollversammlung im September kehrte dann im Oktober der ganz normale UN- Alltag ein - soweit man diesen überhaupt so nennen kann. Seitdem kümmere ich mich vor allem um die Krisenländer in Westafrika, also unter anderem Mali, Sierra Leone, Elfenbeinküste und Liberia. Ich begleite meine Ausbilderin zu den Resolutionsverhandlungen (z.B. über Mandate der UN-Einsätze) im Sicherheitsrat zu diesen Ländern. Die Vor- und Nachbereitung der Sitzungen des Sicherheitsrates gehören natürlich auch zu meinen Aufgaben. Daneben kommen vor allem noch Treffen der Peacebuilding Commissions und der Sanktionsausschüsse hinzu.

Durch die sich mit der Zeit eingespielte Routine und die abnehmende Berührungsangst mit den Themen macht die Arbeit von Woche zu Woche immer mehr Spaß und wird immer interessanter. Sobald man sich eingearbeitet hat, vergeht die Zeit wie im Flug und auf einmal steht man schon wieder am Ende des Praktikums.

Es ist sicherlich für keinen Praktikanten der hier anfängt einfach, sich in die Flutwelle aus neuen Informationen einzuarbeiten. Zum Glück helfen die Ausbilder aber weiter und manchmal hilft allein schon einer von den zahlreichen Cookies und der ein oder andere Empfang, um den Energievorrat wiederaufzufüllen und gestärkt in die nächste Sitzung zu gehen. Meine Zeit hier an der ständigen Vertretung bei den Vereinten Nationen ist sehr spannend und ich bereue es keine einzige Minute, mich dafür entschieden zu haben.

Um mit den Worten eines Künstlers aus New York zu schließen, die zur Stadt wie zu Afrika passen: „in this maze you can lose your way, it might drive you crazy but don't let it faze you no way”. Enjoy it ;)

November 2012

Das Ausbilderessen - von Ina H.

Das Auswärtige Amt- für viele steht dieser Begriff für eine riesige Institution, viel Bürokratie und wenig Greifbares. Menschen und Gesichter verbindet man eher selten mit diesem Begriff. Dass hinter diesem Begriff auch ganz persönliche Geschichten, Familienschicksale und sogar Abenteuer stehen, vergisst man dann ganz leicht.

Mit dem Praktikum ist es zunächst nicht anders. Sehr unpersonalisiert gibt man seine Daten in die Internetmaske ein, ohne persönliches Gespräch oder gar Kontakt zu der erträumten Auslandsstelle. Und auch mit der langersehnten Zusage von einer funktionsbezogenen E-Mail Adresse (pol-s3-etc@...)  werden zunächst die Erwartungen an einen persönlichen Zugang ein wenig enttäuscht.

Umso schöner ist es dann, wenn man vor Ort vom kompletten Gegenteil überrascht wird.

Denn wer im Auswärtigen Amt ein Praktikum bzw. sein Referendariat absolviert, wird immer einem direkten Ausbilder zugeteilt und hat damit von Anfang an einen Ansprechpartner für Fragen und Sorgen jeder Art.  

Außerdem gibt es hier in New York die schöne Tradition des Ausbilderessens (wie es in anderen Konsulaten/Botschaften ist, weiß ich leider nicht). Neben einem leckeren Mittagessen hat man dort eben auch die Chance, Einblicke in das Leben eines Diplomaten zu bekommen.  Egal, ob man schon weiß, dass man später einmal in den diplomatischen Dienst möchte, oder ob man sich erst mal ein Bild davon verschaffen möchte, dies ist die beste Möglichkeit dazu. So sitzt man dann mit einem anderen Ausbilder mit den anderen Praktikanten/Referendaren zusammen und lauscht den Geschichten. Und es ist wirklich sehr interessant, wie unterschiedlich diese Geschichten sind und wie viele sich dennoch auch ähneln. So erzählte mir mein Chef z.B. in einem privaten Treffen, dass er Mathe studiert hatte, aber der Gedanke daran, ein Leben lang an einem Institut sein Leben zu verbringen, ihm absolut nicht gefallen hätte. Und ähnlich war es auch bei unserem Generalkonsul, mit dem wir vor kurzem erst so ein Essen hatten. Er hatte eine Traineestelle in einer Bank nach dem Jurastudium angefangen, aber die Überlegung, seinen Berufsweg womöglich in der deutschen Provinz zu beschließen, ließ ihn nach Alternativen suchen.

Mit dieser doch sehr ungezwungen Art hat man die Möglichkeit, alle Fragen, die einen interessieren zu stellen und man kann auch gut erfahren, wie sich die unterschiedlichen Dienststufen, mittlerer, gehobener und höherer Dienst gestalten und welche Vor- und Nachteile die jeweiligen Stufen haben. Was war Ihre Motivation? Haben Sie schon einmal daran gedacht, alles an den Nagel zu hängen? Wie kommen Ihre Kinder und ihr Partner damit zurecht? Die Antworten sind immer anders, aber immer spannend und so sitzt man dann auch schon mal 2 Stunden zusammen und hört davon, dass Länder, die oftmals auf den ersten Blick sehr unattraktiv wirken, sehr vieles bieten können; dass es oft auch nicht immer leicht ist, wenn die Kinder schwer Anschluss finden oder eine Ehe kriselt, da der Partner im Krisengebiet abgeschottet ist und auf Harmonie machen möchte, wenn man dann in Deutschland wieder auf die dort zurückgebliebene Familie trifft.

Ich freue mich schon wieder auf unser heutiges Ausbilderessen. Heute werden wir mit der vorstehenden RK-Leiterin essen gehen. Gerade für uns Frauen ist es ja auch wichtig, wie sich so ein Leben mit Familie arrangieren lässt. Viel mehr möchte ich jetzt gar nicht mehr erzählen, macht euch am besten selbst ein Bild davon.

Juli 2012

Sarah C.

Das Hochkommissariat für Menschenrechte der Vereinten Nationen hat Staatenvertreter, Zivilvertreter und NGOs zu einer ganztägigen Diskussion über die Todesstrafe unter dem Motto „Moving away from the death penalty – Lessons from national experience“ in die VN-Konferenzräume eingeladen. Hintergrund ist, dass die Generalversammlung darüber diskutiert, ein Moratorium zu verabschieden, welches Staaten zur Abschaffung bzw. Aussetzung der Todesstrafe aufruft. Diese Diskussion wollte ich mir auf keine Fall entgehen lassen, insbesondere da einer der Sprecher Barry C. Scheck war, der Gründer und Co-Direktor des amerikanischen Innocence Projects, welches dem ein oder anderen ein Begriff aus Filmen wie „Conviction“ oder „Hurrican“ sein wird. Für die noch Unwissenden: Das Innocence Project bestehend aus Anwälten, Professoren und Studenten verschiedener Universitäten  setzt, sich dafür ein, dass Fälle, bei denen sie von der Schuld des Verurteilten nicht überzeugt sind, gerichtlich neu aufgerollt werden und haben in 17 Fällen durch DNA-Beweis die Unschuld eines in der Todeszelle Sitzenden bewiesen.

Voller Erwartung gehe ich also zu der Diskussion, sitze in der zweiten Reihe hinter dem Deutschland-Schild und meine Erwartung werden nicht enttäuscht. Nach einigen persönlichen und bewegenden Worten des Generalsekretärs Ban-Ki Moon und der Hochkommissarin für Menschenrechte Navi Pillay sprechen mehrere Panalisten, unter ihnen auch der eben erwähnte Barry Scheck. Allerdings stellt sich als eines der Höhepunkte für mich nicht seine Rede, sondern der Erfahrungsbericht von Kirk Bloodsworth heraus. Kirk war im Alter von 23 in den USA wegen angeblichen Mordes eines kleinen Mädchens verhaftet und zum Tode verurteilt worden. Er saß insgesamt fast neun Jahre im Gefängnis, davon zwei in der Todeszelle, bevor er als die erste Person in den USA durch DNA-Beweis freigesprochen wurde. Gänsehaut bekomme ich, als Kirk, der nun schon fast 20 Jahre wieder in Freiheit ist, sich die Tränen unterdrücken muss, während er erzählt, dass der richtige Mörder längere Zeit nur ein paar Zellen neben ihm eingesessen hat. Ich muss mich daran erinnern, dass dies keine fiktive Buchvorstellung ist, sondern ein realer Lebensbericht.

Kirk bekommt heute mit Abstand den meisten Applaus von mir und den anderen Teilnehmern, die genau wie ich sehr berührt, bewegt und nachdenklich zu sein scheinen. Jetzt weiß ich, warum es so wichtig ist, sich auch im VN-Rahmen für die Abschaffung der Todesstrafe einzusetzen und finde es sehr gut, dass Deutschland einer der Hauptinitiatoren der seit 2007 existierenden Resolution 62/149  zur Abschaffung der Todesstrafe in der Generalversammlung war. Gut, dass man sich bei einem kleinen Empfang über die gewonnen Eindrücke untereinander austauschen kann, bevor der objektive Bericht über die Eindrücke der Diskussion nach Berlin verfasst wird.

Nähere Informationen zur Veranstaltung: http://www.ohchr.org/EN/NewYork/Stories/Pages/Callsforendtodeathpenalty.aspx

Juni 2012

Dustin S.

Während der letzten Woche habe ich jeden Tag an den Vorverhandlungen zur Nachhaltigkeitskonferenz "Rio+20" teilgenommen.
Wir befinden uns gerade in den letzten Verhandlungstagen hier in New York, bevor es Mitte Juni in Brasilien auf den Endspurt
zugehen wird.
Insgesamt wurde bereits in großen Teilen des Abschlussdokuments Konsens erreicht, wie zu erwarten laufen die
Verhandlungen jedoch gerade in den Teilen des Dokumentes besonders zäh, welche die Transformation des Umweltprogramms
der Vereinten Nationen und die Einrichtung eines institutionellen Rahmens für nachhaltige Entwicklung betreffen.
In diesen Bereichen wird stundenlang um einzelne Worte gerungen und eine Einigung ist noch lange nicht in Sicht, obwohl
die Verhandlungen inzwischen jeden Tag bis 22.00 Uhr andauern.
Die endgültige Entscheidung, in welcher Form das Umweltprogramm aufgewertet werden soll, wird wohl erst vor Ort während
der Nachhaltigkeitskonferenz  in Rio de Janeiro stattfinden. Es steht aber auf jeden Fall jetzt schon fest, dass dies kein leichtes
Spiel werden wird.

Juni 2012

Semra S.

Freitag 18.30 Uhr ich verlasse die Ständige Vertretung und lasse die Woche revue passieren:

Am Montag fand eine Debatte in der Generalversammlung zum Thema „Human Security“ statt. Es handelt sich um eine Resolution der Generalversammlung, bei der die „informals“ hoffentlich Ende Juni beendet sein werden. Dabei soll die Resolution den Frieden und die Sicherheit, die Entwicklungszusammenarbeit und die Einhaltung der Menschenrechte in einer Resolution gewährleisten. Durch eine solche Verknüpfung könne man das Fernziel, nämlich die Sicherheit jedes Menschen, realisieren.

Neben der Human Security Resolution bin ich auch an einer ECOSOC Resolution beteiligt. Diese Resolution basiert auf dem Bericht des Generalsekretärs „Strengthening the coordination of emergency humanitarian assistance of the United Nations“.Dabei geht es um die humanitäre Hilfe durch die UN, wobei der aktuelle Stand und aber auch die noch zu verbessernden Komponenten besprochen werden.Am Mittwoch fand daher eine EU-Koordinierung bei der EU-Delegation statt. Besonders interessant ist dies, da man vorab eine Information über die einzelnen Mitgliedsstaaten und zu deren jeweiliger politischer Sicht bekommt. Die Delegation versucht dann die Stimmen zu koordinieren und in den sogenannten „informals“ die EU zu vertreten. Vor unserer Vertretung angekommen, sehe ich, dass der Botschafter vor meinen Augen Henry Kissinger begrüßt.

Am Donnerstag findet in der General Assembly Hall eine Sitzung zu Syrien statt. Ban Ki-Moon und Kofi Annan sind in nächster Nähe. Besonders beeindruckt bin ich von Kofi Annan, der wortgewandt den Nagel auf den Kopf trifft. Es ist ein beeindruckendes Gefühl, ein Stück Geschichte mitzuerleben. Danach findet eine EU-Koordinierung zum Thema Human Security statt, deren Ausgang nach Berlin berichtet wird.

Am Freitag findet das „First Reading“ der ECOSOC Resolution statt. Diese verläuft wider Erwarten eher ruhig. Mittags verabschiede ich mich von meinem Ausbilder, der nunmher eine Woche auf Dienstreise ist. Für mich bedeutet das, dass ich eigenständig die Resolutionsverhandlungen und EU-Koordinierungen verfolge und versuche, die Brücke zwischen New York und Berlin aufrecht zu erhalten.

Nachdem auch die Matrix zu der Human Security Resolution angekommen ist, versuche ich, das weitere Vorgehen mit Berlin abzustimmen. Feierabend! Ich sitze im Bus und freue mich auf ein weiteres Wochenende in Manhatten!

Mai 2012

Sebastian S.

Nach dem verlängerten Wochenende erwarten mich morgens im deutschen Haus einige Emails. Gegen 10 Uhr verfolge ich in der Generalversammlung die Debatte vor der Abstimmung über den Resolutionsentwurf zur Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen, den nationalen Parlamenten und der Inter-Parliamentary Union (IPU), die einen Zusammenschluss nationaler Parlamente darstellt. Der Entwurf betont u.a. die Bedeutung einer Praxis, wonach auch Abgeordnete (der Parlamente) den nationalen Delegationen bei Debatten und Abstimmungen in den Vereinten Nationen angehören können. Deutschland ist gemeinsam mit 84 weiteren Staaten Co-sponsor. Man könnte an diesem Tag den Eindruck gewinnen, die Welt bestünde ausschließlich aus überzeugten Parlamentaristen. Nach Abschluss der Debatte erhöht sich mein Pulsschlag kurzzeitig. Ich frage mich, ob ich gleich auf den grünen Knopf drücken muss. Und was würde passieren, wenn ich aus Versehen den roten drücken oder den Moment der Abstimmung verpassen würde? Letztlich erfolgt die Entscheidung im Konsens, d.h. ohne Knopfdruck. „It is so decided“ tönen die Worte des Präsidenten der Versammlung durch den Kopfhörer – aufatmen.

Anschließend bespreche ich die Sitzung während des Mittagessens in der deutschen Vetretung mit dem zuständigen Experten. Das Hühnercurry schmeckt wie alles in der Kantine des deutschen Hauses unglaublich lecker. Danach wird der Drahtbericht nach Berlin verfasst.

Heute geht es Schlag auf Schlag, das genaue Gegenteil von letzter Woche als die Botschafter der Sicherheitsratsmitglieder sich in Afrika ein Bild von der Lage vor Ort machten und daher keine Sitzungen des Sicherheitsrates angesetzt waren. Der Bericht des VN-Sonderberaters Jamal Benomar zur Situation im Jemen liegt vor. Das öffentliche Briefing im Sicherheitsrat beginnt um 15 Uhr, anschließend folgen geschlossene Konsultationen. Gegen 17 Uhr wird der nächste Tagesordnungspunkt aufgerufen. Für meinen Ausbilder und mich bedeutet dies, den Drahtbericht nach Berlin zu verfassen. Am Ende finde ich einige Sätze meines Berichtsentwurfs in der endgültigen Fassung wieder. Ein kleiner Erfolg.

Mai 2012

Katharina W.

Arria Formula meeting of the Security Council on „The peaceful settlement of disputes, conflict prevention and resolution: Mediation, judicial settlement and justice“, 30.05.2012

Gestern war ich bei einem zweistündigen Arria Formula Meeting des UN-Sicherheitsrats zum Thema der friedlichen Streitbeilegung, Konfliktvorbeugung und Konfliktlösung. Das Meeting wurde von der Ständigen Vertretung Aserbaidschans organisiert, da Aserbaidschan derzeit noch den Vorsitz im Sicherheitsrat innehat. Der Fokus des Meetings lag auf dem Thema der Mediation. Dazu sprachen zunächst zwei Gastredner, Prof. Malcolm Shaw (Professor für Internationales Recht) sowie der aserbaidschanische Vize-Außenminister Araz Azimov. Danach bestand die Gelegenheit für die Mitglieder des Sicherheitsrates, sich zu dem Thema zu äußern bzw. den Gastrednern Fragen zu stellen. Schließlich konnten sich auch andere UN-Mitglieder sowie NGOs zu Wort melden.

Im Wege der Mediation sollen Konflikte zwischen Staaten (möglichst frühzeitig) durch Verhandlungen unter Einbeziehung eines oder mehrerer unparteiischer Dritter gelöst werden. Dritte können hierbei Individuen, andere Staaten, aber auch regionale Organisationen oder die UN selbst sein. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Mediation eine wichtige Rolle bei der Lösung zwischenstaatlicher Konflikte einnimmt und daher weiter gefördert werden muss.