Reform des VN-Entwicklungssystems

Seit Gründung der Vereinten Nationen haben die Mit­glieds­staaten zahlreiche neue Organisationen gegründet. Die zunehmende Fragmentierung des Systems erschwert die Koordinierung der Aktivitäten und verhindert ein geschlossenes Auftreten der UN als entwicklungspolitischer Akteur. Darüber hinaus stellt die unsichere Finanzierung ein großes Problem dar: Zahlreiche Aktivitäten der Vereinten Nationen werden aus freiwilligen Beiträgen der Mit­glieds­staaten finanziert, wodurch die Möglichkeiten und die Flexibilität einzelner Organisationen begrenzt sind.

Auf dem Millennium+5-Gipfel im September 2005 wurde der UN-Generalsekretär deshalb von den Mitgliedsstaaten be­auf­tragt, Vorschläge für die Verbesserung der Zusammenarbeit der beteiligten UN-Akteure auszuarbeiten. Dabei soll er auch die Möglichkeit von straffer geführten Einheiten in den Feldern Ent­wick­lung, humanitäre Hilfe und Umwelt prüfen. Der Generalsekretär hat dazu ein hochrangiges Beratungsgremium eingerichtet.

Im November 2006 hat das Gremium erstmals konkrete Reformvorschläge vorgelegt. Im Zentrum steht dabei das "One UN"-Prinzip auf Länderebene: Alle in einem Entwicklungsland tätigen UN-Organisationen sollen sich an einem landesspezifischen Programm und einem Budgetrahmen orientieren sowie in einem gemeinsamen Büro unter Aufsicht des UN Resident Coordinators zusammenarbeiten. Seit Januar 2007 werden die Vorschläge des Gremiums in den acht Pilotländern Pakistan, Mosambik, Vietnam, Ruanda, Uruguay, Kapverdische Inseln, Albanien und Tansania getestet.

Die Gründung von UN-Women im Jahr 2010 stellt einen wichtigen Reformschritt innerhalb der VN-Struktur dar. Vier verschiedene Organisationen, die sich mit der Frage der Gleichstellung von Frauen und Männern befassten, wurden zusammengelegt. Damit wurde die Fragmentierung des VN-System reduziert.

Der im Dezember 2012 verabschiedete „Quadrennial Comprehensive Policy Review (QCPR)“, ist die  Grundsatzresolution der VN Generalversammlung zu den praktischen Entwicklungsaktivitäten des VN-Systems für den Zeitraum 2013 – 2016. Die Resolution setzt wichtige Impulse für eine Reform der praktischen Entwicklungsarbeit der Vereinten Nationen, mit dem Ziel, die Arbeit der Vereinten Nationen in den Entwicklungsländern effizienter, wirksamer und kohärenter zu machen.

Erste Folgen des QCPR waren die Verabschiedung neuer strategischer Pläne der VN Fonds und Programme für den Zeitraum 2014 – 2017. Erstmalig werden die strategischen Pläne dabei um detaillierte Results Frameworks ergänzt. Ebenfalls verabschiedet wurden integrierte Budgets, die sowohl die gebunden wie auch die ungebunden Beiträge umfassen.

Ein weiterer wichtiger Reformschritt war die Formalisierung der Pilotinitiative „Delivering as One“. Die UN Development Group, in der alle mit Entwicklungsfragen befassten VN-Einheiten zusammengefasst sind, erarbeitete dazu sogenannter  „Standard Operating Procedures“, die die Zusammenarbeit des VN-Systems in den Ländern regeln, die an „Delivering as One“ teilnehmen. Die „Delivering as One“ Initiative hat zum Ziel, ein einheitliches Auftreten der unterschiedlichen VN-Organisationen in einem Partnerland und die Koordinierung der Unterstützungsleistungen des VN-Systems sicherzustellen. Dabei kommt dem VN Resident Coordinator eine herausgehobene Funktion zu.